Zwischen Camp und Kinderheim

Von Felicitas Fischer

Blick auf das Küchenhaus
Bild: Blick auf das Küchenhaus

Jó napot! (Guten Tag!)

FeliVerreisen ohne Eltern – der Traum aller Jugendlichen! Den ich mir dieses Jahr erfüllte. Für mich ging es nach Rumänien in die Ostkarpaten, besser gesagt nach Turia, zu einem internationalen Jugendcamp. Die circa 80 Teilnehmer kamen aus Deutschland, Ungarn und aus Rumänien, wobei erwähnt werden muss, dass letztere der ungarischen Minderheit in Rumänien angehörten. Gemeinsam lebten wir zwei Wochen in unserem selbst errichteten Zeltlager, in dem es uns eigentlich an nichts mangelte. Essen wurde über offenem Feuer gekocht, am Bach richtete man eine Waschstelle ein, und vier selbstgebaute Toiletten dienten für das kleine oder größere Geschäft.

Das Camp von oben
Bild: Das Camp von oben

Was hier vor allem zählte, war ein starker Zusammenhalt der gesamten Gruppe, nicht nur während des Campaufbaus, sondern auch bei Fußball- und Volleyballturnieren, während diversen Ausflügen und Seminaren, bei Wanderungen sowie beim täglichen Küchendienst und beim Feuerholzholen. Mit der Kommunikation klappte es auch irgendwie und wer kein Ungarisch konnte, hatte die Möglichkeit, seine Englischkenntnisse auszuprobieren.

Picknick am St.Ana-See
Bild: Picknick am St.Ana-See

Ich persönlich war von allem, was ich hier erlebt habe, sehr beeindruckt, denn vor allem die rumänisch-ungarischen Jugendlichen legten ein Gemeinschaftsgefühl an den Tag, das wir Deutschen so gar nicht kannten. Wenn man irgendwo alleine saß, kam sofort einer von ihnen herüber und fragte, ob etwas nicht in Ordnung sei. Hinzu kam noch ihr Lebensmut, denn viele der Jugendlichen stammten aus einem Kinderheim, das vor einigen Jahren geschlossen wurde. Die Zustände, die dort noch vor 1990 geherrscht haben, waren schrecklich und ließen sich danach nur schwer ändern. „Jeder, der eine Mutter hat, soll Gott dafür danken.“, sagte mir ein Junge.

Teilnehmer aus der ungarischen Gruppe
Bild: Teilnehmer aus der ungarischen Gruppe

Trotz dieser Hintergründe hatten wir alle viel Spaß zusammen und spätestens am letzten Abend hatte jeder noch einmal die Gelegenheit, bei einer Campdisko andere näher kennen zu lernen. Und wer, wie ich, dem Tanzen eigentlich nicht viel abgewinnen kann, wurde hier einfach mitgerissen. Letztendlich war der Abschied tränenreich, nicht nur zwischen den einzelnen Nationalitäten, sondern auch bei der Trennung der deutschen Gruppe in Bautzen, denn das Camp hatte uns alle näher gebracht. Und eins weiß ich genau – dieses Jahr gibt’s für mich keine Weihnachtsgeschenke, denn das Geld wird für den nächsten Sommer gespart, da soll es wieder nach Rumänien gehen.

Sziasztok! (Tschüß!)

Ausflug zu den Hirten
Bild: Ausflug zu den Hirten

Veröffentlicht am October 9, 2007 09:22 AM

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