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04.09.06

Reisebericht von Imke Günther

Imke Günther„Weiterhin wurden inhaltlich sehr interessante Seminare angeboten, die jeweils zweisprachig waren. Europa, Rechtsextremismus in Deutschland heute, Minderheiten in Rumänien. Zum Thema NS-Zeit habe ich ein Seminar angeboten, welches diese Zeit in relativ einfachen Zügen beschrieben hat.“

Das Zeltlager in Turia/Torja 2006

Seit Ende August 2005 ist Noémi Gal aus Tirgu Mures/ Rumänien meine „Tochter auf Zeit“. Sie absolviert unter der Trägerschaft der Sächsischen Jugendstiftung ihr Freiwilliges Jahr Politik in der Einsatzstelle Aktion Zivilcourage Pirna. Ihr Jahresprojekt war, das Zeltlager in Turia mit zu organisieren.

In dem Jahr mit Noémi wurde natürlich auch viel über den Themenkreis Rumänien-Siebenbürgen-Minderheiten gesprochen. Für mich teilweise eine völlig andere Welt: das Leben in einer Diktatur bis zur Wendezeit 1989, die daraus gewachsenen Folgen tausende Kinder konnten nicht mehr von ihren Eltern und Großeltern mit dem Nötigsten versorgt werden und kamen in riesige Kinderheime. Dort gab es zwar zu essen, aber kaum pädagogisch ausgebildetes Personal von Raum und Spielzeug ganz zu schweigen. Der Grund vieler Probleme liegt heute genau da, wo es den Kindern an Liebe und Geborgenheit gefehlt hat. Dazu der Beginn einer bürgerschaftlichen Initiative, die in Rumänien mit einem unwahrscheinlichen Engagement Möglichkeiten schafft, den Kindern zu helfen, Freiwilligendienste einrichtet und simpelste Dinge einführt, die hier selbstverständlich sind.

Mit den Kindern, die nun schon fast erwachsen sind sollte also nun das Zeltlager in Turia stattfinden. Von Anbeginn bin ich als “Partnerin auf Augenhöheâ€? mitgefahren, für Noémi und die rumänischen Jugendlichen, die jetzt in verschiedenen Projekten leben. Für mich war es interessant zu erleben, wie ohne großartige Sprachkenntnisse eine Kommunikation möglich war. Einfach gemeinsam den Alltag im Camp meistern, zusammen Küchendienst „schieben“, kleine Dienste für den anderen zu tun. Sehr viele Gespräche prägten diese Zeit. Weiterhin wurden inhaltlich sehr interessante Seminare angeboten, die jeweils zweisprachig waren. Europa, Rechtsextremismus in Deutschland heute, Minderheiten in Rumänien. Zum Thema NS-Zeit habe ich ein Seminar angeboten, welches die diese Zeit in relativ einfachen Zügen beschrieben hat. Dabei habe ich zwei Opfergruppen näher beleuchtet: das jüdische Volk und geistig Behinderte und Psychisch Kranke, die bei der Krankenmordaktion T4 umgebracht wurden. Während des Camps sind Probleme der rumänischen Jugendlichen zutage getreten: einmal ihre ungarische Nationalität in Rumänien und bei vielen auch, dass sie Roma sind. Das Problem, dass nur wenige rumänisch sprechen, was ja Amtssprache ist. Damit sind die Perspektiven für sie in Rumänien schon begrenzt. Somit gab es schon einen Kontext zur Seminararbeit.

Es gab natürlich auch kreative Angebote in alle Richtungen: Batiken, Töpfern, Freundschaftsbänder knüpfen, Lichterbau, einen Chor, der zum Abschiedsfest seinen große Auftritt hatte. Überhaupt wurde viel gesungen. Sogar eine Schwitzhütte nach indianischem Brauch wurde errichtet und rege genutzt. Mit ein paar Leuten habe ich noch Skizzenbücher gebastelt und aufgefordert, unterwegs zu zeichnen, was ihnen über den Weg läuft. Am Abschiedsabend gab es eine Ausstellung der Töpferarbeiten und Skizzenbücher.

Für mich persönlich war das Camp eine große Bereicherung: ich habe neue Menschen kennen gelernt, neue Lebensräume gesehen, neue Denkweisen und Themen werden sicher in meinem Leben einen Platz haben.

Imke Günther

Von der Skizze zum Aquarell – entstanden in Turia.
Bild: Von der Skizze zum Aquarell – entstanden in Turia.

Veröffentlicht am 04.09.06 20:51