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03.09.06

Reisebericht von Barbara Likus

Barbara Likus„Wie jetzt? Ungarn oder Rumänien, das scheint sich zu widersprechen, aber da trügt der Schein, denn die Jugendlichen kommen alle aus dem Gebiet der ungarischen Minderheit, deshalb bezeichnen sie sich auch als Ungarn und sind keine Rumänen.“

Bericht

Mein Name ist Barbara Likus, von 21. Juli bis 2. August 2006 war ich mit einer Gruppe von deutschen Jugendlichen im Sommercamp der Sächsischen Jugendstiftung in einem Tal nahe Turia, Romania unterwegs. Aber es sollte nicht bei dieser Gruppen-Konstellation bleiben, denn in Turia trafen wir auf den rumänischen Gruppenteil, genau wie wir etwa 40 Jugendliche, so dass wir insgesamt eine „Dorf-Gemeinschaft" von ca. 80 Menschen.

Seit 2000 war ich regelmäßig in Cristuru-Secuiesc/RO, der Stadt in der die meisten rumänischen Teilnehmer wohnen, weil dort das Kinderheim stand, in welchem sie bis 2003 lebten. Durch die Aufenthalte dort, kannte ich schon die allermeisten und freute mich über das Wiedersehen in diesem schönen Tal in den Karpaten. Dieser erste Tag war sehr anstrengend, denn allen Deutschen steckte die Fahrt noch ziemlich in den Knochen, aber wenigstens die zelte mussten natürlich trotzdem aufgebaut werden und es gibt tausend kleine Dinge, die noch gebaut oder aufgestellt werden müssen, bevor wir auf der Wiese die notwendigen und hilfreichen Dinge für zwei Wochen Camping haben.

Ein Freiwilliger vom rumänischen Partnerverein und ein Paar Jungs waren schon vor uns angereist und hatten zwei Klo-Häuschen errichtet, die Kochstelle hergerichtet und einige andere wichtige Arbeiten erledigt. Die folgenden Tage nutzten wir um die wichtigen Dinge aufzubauen, damit alle sich wohl fühlten. Sogar eine Dusche mit Feuerstelle für warmes Wasser haben sich die „verwöhnten“ Deutschen gebaut. Sie wurde allerdings auch von den Ungarn rege genutzt.

Wie jetzt? Ungarn oder Rumänien, das scheint sich zu widersprechen, aber da trügt der Schein, denn die Jugendlichen kommen alle aus dem Gebiet der ungarischen Minderheit, deshalb bezeichnen sie sich auch als Ungarn und sind keine Rumänen. Was es damit genau auf sich hat klärte sich für fast alle Deutschen in den Gesprächsgruppen, hier erzählten einige der Jugendlichen wie sie das Kinderheim erlebt haben und was es in Rumänien bedeutet, keine Eltern und keine Familie zuhaben. Aber neben diesen Einzelgeschichten, in denen oft die Minderheiten-Problematik eine entscheidende Rolle spielte, waren die Seminare zur Minderheitenproblematik für mich besonders aufschlussreich.

Denn ein Teil der Deutschen beschäftigt sich haupt- oder ehrenamtlich mit Rassismus und den Folgen von Nationalstolz hier in der Dresdener Gegend beziehungsweise in der Sächsischen Schweiz, na ja, nicht wenige Meinungen der Seminarteilnehmer waren nicht sehr tolerant. Da war ich schon sehr überrascht, allerdings hat sich dieser Eindruck nicht bestätigt, denn trotz der politischen Meinungsmache in Teilen der Ungarischen Minderheit, haben fast alle rumänische Freunde und können auch wenn es sein muss rumänisch reden. Ich denke, da ist vieles sozialisationsbedingt, genau deshalb waren auch die Diskussionen eine gute Möglichkeit die eigene Meinung und die Erfahrungen aus Deutschland einzubringen.

Ganz besonders hat es mich gefreut zu hören, dass einige der Jugendlichen, die im Kinderheim aufgewachsen sind jetzt studieren und also einen Teil ihrer Vergangenheit überwinden. Noch ist es so, dass Jugendliche mit Kinderheimvergangenheit sehr schlechte Aufstiegschancen in der rumänischen Gesellschaft haben, deshalb freue ich mich wenn ich einen oder eine treffe, die ich schon von früher kenne und er oder sie erzählt dann, das sie ein Ziel haben und dabei sind das auch zu erreichen. Wenn solche Begegnungen stattfinden, war es nicht nur ein toller Urlaub mit viel Natur und netten Leuten, sondern hat darüber hinaus etwas bewirkt.

Alles in allem war ich, wie auch in den vergangenen Jahren, sehr froh in RO! Und habe vor allem durch die gute Programm-Organisation viel gelernt und erlebt.

Barbara Likus (21), mc_baerbel@web.de

Veröffentlicht am 03.09.06 19:35