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03.09.06
Reisebericht von Andreas Natuschke
„Ich hab wieder gemerkt, wie viel Spaß es allen gemacht hat, so völlig neue Tätigkeiten, wie eine Kochstelle bauen und überdachen, Klohäuschen zimmern und Plätze zum Volleyball- und Fußballspielen herzurichten und das ganze in nur ein bis zwei Tagen. Da musste eben auch mal geklotzt werden.“
Hallo!! an alle Turianer und die, die es werden wollen,
der Ernst des Lebens hat uns wieder und daher soll die Erinnerung an Turia und die, die es gestaltet und gelebt haben nicht verblassen. Ich war nun schon das zweite mal mit und wusste in Etwa was mich erwartete. Aber die neue Gruppe unserer deutschen Teilnehmer weckt eben doch die Neugier.
Von 2004 und der Weihnachtsaktion kannte ich ja schon viele rumänisch-ungarische Jugendliche. Deshalb war die Freude groß als wir uns dann auf der Wiese wiederbegegneten. Meine „Kinder“ waren wieder da. Die Gegend war noch vertraut vom letzten Camp, die Hütte stand auch noch so, wie wir sie verlassen hatten und der Bach führte noch Wasser- also: Alles in Ordnung, das Siedlerleben konnte beginnen und damit für mich erst einmal eine Weile Stress.
Material entladen, wissen, wo im ersten Tohuwabohu etwas liegen könnte, viele Fragen beantworten und den Gruppen zeigen, wie erst einmal die Küchen- und Gruppenzelte richtig aufgebaut werden. Aber das ist so, wenn eine Gruppe von 80 Personen auf der grünen Wiese ein Dorf aufbaut. Zwei, drei Menschen müssen halt das ganze erst einmal grob formen. Die Feinheiten im Aufbau kommen dann von Jedem, der mit mitmacht. Und das taten sie. Ich hab wieder gemerkt, wie viel Spaß es allen gemacht hat, so völlig neue Tätigkeiten, wie eine Kochstelle bauen und überdachen, Klohäuschen zimmern und Plätze zum Volleyball- und Fußballspielen herzurichten und das ganze in nur ein bis zwei Tagen. Da musste eben auch mal geklotzt werden. Der Spaß am Geschaffenen kam auf jeden Fall und entschädigte alle für die anfängliche Anstrengung. Und letztlich tat der Lob von Rüdiger und der Gruppe jedem so richtig gut.
Ruhe für die Seele kam dann bei mir so nach drei, vier Tagen. Ich hab es genossen, manchmal schon nach Sonnenaufgang aufzustehen und in der Morgenkühle den Weg am Bach entlang zu gehen und einfach die intakte Natur zu genießen, oder einen kleinen Bergpfad zu gehen inmitten urwüchsiger Hainbuchen. So nebenbei freute ich mich besonders, in den Abendstunden eine bei uns fast ausgestorbene Fledermausart, eine Art der Hufeisennasen zu hören und auch jagen zu sehen.
Mir fiel auf, dadurch, dass die deutsche und die ungarische Gruppe fast gleichzeitig auf den Platz kamen, diesmal auch der Zeltbereich besser gemischt war. Im vergangenen Jahr gab es da eine deutliche Trennung: auf der einen Seite die deutschen Teilnehmer, am anderen Ende die ung./rum. Jugendlichen. Diesmal waren die Brücken schnell geschlagen, noch ehe die Begegnungsrunde und Seminare anfingen. Die waren thematisch breit gestreut und jeder fand sein Thema. Die rumänische Geschichte der jüngsten Zeit war für mich wieder interessant und die Diskussionsrunde mit den Regionalpolitikern danach zeigte mir, das dass Land in einer rasanten Entwicklungsphase steht- nur wir merken vielfach nicht (oder sollen es vielleicht nicht), was vor unseren Haustüren geschieht. Deshalb war der direkte Kontakt und die Berichte über ihre Tätigkeit wichtig für die Erkenntnis, dass Demokratie in anderen Ländern eben auch anders funktionieren kann. Den Machern des Programms, der Seminarvorbereitungen und den Vordenkern ein großes Lob.
Ich hoffe, dass auch in den kommenden Jahren diese Treffen finanziell gesichert werden können. Eine Bereicherung für die Verständigung und die Möglichkeit sich gegenseitig als Gruppe unterschiedlicher Volkszugehörigkeit einfach wahrzunehmen ist besser als jede Lichterkette gegen Rassismus.
Übrigens war das Endspiel der WM ein Dorf-Gebolze gegen das Endspiel der Campmeisterschaft in Turia 2006!
Von Andreas Natuschke, August 2006
Veröffentlicht am 03.09.06 17:33



