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16.08.06

Alles Öko oder was?

MiekeWie es ist, zwei Wochen fernab von allen technischen Errungenschaften auf einer Wiese in Rumänien zu (über)leben

Von Mieke Timm

Leben in der Pampa, Waschen im Bach, Kochen über dem Feuer - und das alles ohne jeglichen Handyempfang? Für uns deutsche Jugendliche nur schwer vorstellbar. Trotzdem ließen wir uns tapfer auf dieses Abenteuer ein, schließlich gehören wir ja nicht zu den Leuten, die auf eine warme Dusche, Strom und unser Handy angewiesen sind. Oder?

Als wir in Rumänien nur eine riesige Wiese und die Gruppe ungarischer Jugendlicher vorfanden, war die Vorstellung schon schwer, hier zusammen ein „Dorf“, mit allem, was man zum Leben braucht, aufzubauen.
Wo sollte man überhaupt anfangen? Und wie sollte man sich mit den ungarischen Jugendlichen, auf deren Hilfe man ja angewiesen war, verständigen?

Alles gar nicht so kompliziert, wie sich später herausstellte. Nach dem das erst Chaos beseitigt war und die Zelte standen, konnten auch schon Gruppen eingeteilt werden, die sich um die verschiedensten Bereiche kümmern sollten. Toiletten, sowie Waschplätze mussten gebaut werden, die Feuerstelle zum Kochen eingerichtet werden, große Material- und Essenszelte aufgebaut werden und viele andere organisatorische Dinge, die in einem „Dorf“ nicht fehlen dürfen, geklärt werden. Nach anfänglicher Unsicherheit und Ungeschicklichkeit haben wir unsere Aufgaben mit Erfolg bewältigt und konnten der Gruppe stolz die neuen Einrichtungen präsentieren.

Am Bach war eine Badestelle mit Planen abgespannt, ein kleiner, selbst gebauter Steg führte einen direkt zum Wasser und sogar eine kleine Bank zum abstellen der 100% abbaubaren Seife fehlte nicht. Desweiteren waren wir stolze Besitzer von vier Toiletten, die mit Hilfe von einem großen Holzgestell und einer Plane aufgestellt wurden. Erstaunlich, wie sehr man sich über diese Dinge freut, wenn man selber an der Entstehung beteiligt war. Immer wieder hatten Leute Verbesserungsvorschläge und kleinere Fehler wurden schnell gemeinschaftlich behoben.

Später wurde zusätzlich zu der Badestelle am Bach sogar eine richtige Dusche gebaut, neben der eine Feuerstelle errichtet wurde, so dass man sogar den Luxus hatte, sich zum Duschen das Wasser warm zu machen. Was für eine neue Errungenschaft für unsere Dorfgemeinschaft! Unglaublich, was man mit Hilfe von vielen kreativen und improvisierfreudigen Köpfen und ein bisschen Material auf die Beine stellen kann!

Eins ist sicher, all diese gemeinsamen Aufgaben mit den Erkenntnissen, dass die Fertigstellung den Dorfbewohnern das Leben erleichterte, haben die Gruppe zusammengeschweißt. Sogar die Verständigungsprobleme wurden zur Nebensache.

Nun sollte man sich, wenn man diesen Zusammenhalt und die Freuden, trotz der einfachen Lebensbedingungen erlebt hat, vielleicht fragen, wozu man eigentliche die ganze Technik, die sonst unser Leben prägt, braucht?! In unserem Zeltlager jedenfalls brauchte man sie nicht und ich bin mir sicher, dass es für jeden gut ist, mal die Erfahrung zu machen, wie es ist, mit einfachsten Mittel auszukommen. Zumal durch die nicht vorhandene Technik andere, wichtigere Dinge im Vordergrund standen. Wie geht es eigentliche den anderen „Dorfbewohnern“ gerade? Was beschäftigt mich selber gerade? Wo wird gerade meine Hilfe benötigt? Was steht heute auf dem Tagesprogramm?

Das waren Fragen, die uns die zwei Wochen beschäftigten und bei soviel Gemeinschaft und Harmonie hat man dann auch glatt vergessen, dass man für seine Liebsten zu Hause nicht ständig erreichbar ist. Auch damit konnte man gut leben. Zumindest zwei Wochen lang.

Aber sind wir mal ehrlich. Kaum waren wir mal in einer größeren Stadt wurden hektisch die Handys ausgepackt, um schnell ein Zeichen aus der Heimat zu empfangen oder eins zu senden. Abends wurde im Camp ein Generator angeschmissen, um die Akkus des Digicams laden zu können, damit das wilde Leben auch weiterhin dokumentiert werden konnte. Auch um den großen Spiegel, den wir an die Dusche gehängt hatten, drängten sich regelmäßig die Massen, um sicherzugehen, dass sie trotz des Lebens in der Natur, noch ihre Schönheit bewahren.

Abschließend kann man sagen, dass wir uns sicher nicht von allem gelöst haben, was uns in Deutschland beeinflusst. Auch die überzeugtesten Ökos mussten feststellen, dass die Technik auch einige praktische Seiten an sich hat. Trotzdem war es eine unvergessliche Erfahrung und ich wünsche jedem diese Erfahrung einmal zu machen.

Autorin: Mieke Timm

Veröffentlicht am 16.08.06 11:27