« Pressespiegel | Startseite | Campbericht von Hannes Lieberoth »

27.08.05

Seminarbericht Frauenrollen

EvelynLydiaDie Vorbereitung des Seminars über die „Frauenrollen“ in Rumänien ist uns nicht leicht gefallen, da wir bereits in den ersten Vorbereitungsgesprächen sehr schnell an unsere Grenzen bezüglich unserer eigenen Sicht der Rolle der Frau – auch in der westlichen Welt - stießen.

Das Sozialgefüge und die gesellschaftliche Stellung der Frau in Rumänien ist durch vielfältige äußerliche Faktoren beeinflusst, die schon im Land an sich sehr unterschiedlich ausfallen und natürlich äußerst verschieden, wenn nicht gar widersprüchlich zu unseren Erfahrungen mit „Emanzipation“ sind. Haben wir in Deutschland eine relative Gleichsetzung der Rolle der Frau mit dem Mann, so sind in Rumänien zahlreiche Parallelwelten aktiv, die je Lebensbereich eine andere Aufgabenstellung der Frau vorsehen.

Frauen aus dem Dorf bereiten den Kuchenteig zu
Bild: Frauen aus dem Dorf bereiten den Kuchenteig zu

Die Hauptstadt Bukarest und die gedeihenden Industriestädte sind europanah , während viele Regionen, die durch Minderheiten (deutsch, ungarisch, Cinti und Roma) geprägt sind, bis heute eine Landbevölkerung auf dem Lebensniveau von 1850 vorweisen. Somit findet man in Rumänien alle Hierarchie- und Rollenmodelle, die in den letzten 150 Jahren die Stellung der Frau im Westen bestimmten.

Emese und Zsuzsa backen den Kuchen
Bild: Emese und Zsuzsa backen den Kuchen

Für die jungen Frauen in unserem Camp war es deshalb seltsam, als wir sie nach Ihren individuellen Wünschen, Träumen und Erwartungen in Hinsicht auf Beruf, Familien- und Lebensplanung, partnerschaftliche Beziehungen, etc. sowie Möglichkeiten zu deren Verwirklichung fragten. In dieser Runde mit deutschen und rumänischen Teilnehmerinnen fielen die Antworten – wie vorher eigentlich absehbar – sehr verschiedenartig aus: erstere hatten vor allem Wünsche, die hauptsächlich die eigene Entwicklung und Fortbildung betrafen, gepaart mit Reiselust und Fernweh. Auf der anderen Seite und zum Teil in Opposition dazu wollten die rumänischen Frauen und Mädchen größtenteils am vertrauten, angestammten Ort bleiben, dort einen Beruf finden, vielleicht heiraten und eine Familie gründen (wobei dies zunächst für einen noch nicht festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft formuliert wurde).

Reka und den Jungs essen den Kuchen
Bild: Reka und die Jungs essen den Kuchen

Die Gespräche unterstrichen, dass Rumänien trotz und / oder wegen der sozialistischen Vergangenheit die Rolle der Frau maßgeblich in der Verantwortung für Familie und Kinder sieht. Sekundär wird die Rolle um einen Beruf erweitert, doch aufgrund stagnierter Rollenschemata können viele Mädchen und Frauen ihrem Potenzial entsprechende Möglichkeiten nicht nutzen oder ihrem Neigungen entsprechend entwickeln.

Evelyn und Lydia

Veröffentlicht am 27.08.05 10:05