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11.09.05
Reisebericht von Katharina Horn
Ich bin zum ersten Mal mit nach Rumänien gefahren. Letztendlich hat jeder Moment den ich mit jemanden mir bis zu diesen Augenblick Fremden verbracht habe, dazu beigetragen, dass wir uns einander begegnet sind. In dieser Zeit habe ich so viele wundervolle Menschen kennen lernen dürfen...
Am Eindrucksvollsten für mich war unser kleines Seminar: Ich glaube, dass es erst bei unserem zweiten Zusammentreffen geschah, dass Banjo plötzlich in der Mitte des Kreises im Gras saß und begann, auf unsere Fragen zu antworten. Wir haben gemerkt, dass es allen ungarisch-rumänischen Jugendlichen nicht so leicht fiel -im Vergleich zu uns vielleicht. Doch zeitweise fiel es mir schon schwer, über mich und mein Leben zu reden: ich kam mir so privilegiert vor; so deutsch, dass es mir irgendwie manchmal Angst machte. Während all der Lebensgeschichten, die erzählt worden sind, fühlte man sich wie in einem Strudel verschiedenster Emotionen. Kinder, die ins Kinderheim gesteckt worden waren, weil es für die Mutter schon das siebte Kind war, welches sie nicht ernähren konnte. Im Kinderheim wurden sie geschlagen und lebten unter miserablen Bedingungen, die ich - zum Glück? - nicht gesehen, sondern nur erzählt bekommen habe.

Bild: Benjo und Judy
Alle diese Jugendlichen haben trotzdem Träume. Ich, die ich davon überzeugt war, dass alle Menschen die Welt sehen und erkunden wollen, lernte Menschen kennen (vor allem Frauen und Mädchen), die unbedingt in ihrer gewohnten Umgebung bleiben wollten. Wenn wir bei unserem Frauenseminar auch nicht sonderlich tiefgreifend aufeinander eingehen konnten (dafür war die Zeit einfach zu kurz), so haben wir nicht zuletzt erkennen können, wie unterschiedlich unsere Vorstellungen von der Zukunft und wir als Frauen sind.
Gesa erzählte mir in einigen Gesprächen, dass er und seine Brüder ins Kinderheim gekommen waren, weil die Mutter kaum Geld hatte und der Vater ziemlich kriminell sei. Am zweiten Abend saß ich also am Lagerfeuer neben jemanden, der einfach unglaublich freundlich und lustig war und mir gegenüber so offen, verständnisvoll und interessiert war, wie ich es in Deutschland selten erlebt hatte.
Wenn die jüngeren ständig an unserer Hand laufen wollten, uns plötzlich lange umarmten, dann war das am Anfang doch ziemlich ungewohnt und merkwürdig. Nach ein paar Tagen, wenn man begriffen hatte, wie liebesbedürftig die Kinder sind, weil sie einfach noch nie einfach so umarmt worden sind; dann merkt man, wie man sich selber verändert.
Dass ich innerhalb von 14 Tagen so viele liebe und interessante Menschen kennen gelernt habe, ungarisch-rumänische, deutsche und (natürlich auch amerikanische:) Judy, macht mich immer noch unglaublich glücklich!
Ich habe Dinge erfahren, die für das Zusammenleben in einer Gemeinschaft von so großer Bedeutung sind; das sind Erfahrungen, die sich meist total schlecht beschreiben lassen. Daher werde ich jede Chance sofort wieder wahrnehmen, die Zeit in so einer wundervollen Gruppe zu verbringen.
Dank an alle und liebe Grüße
Katharina
Veröffentlicht am 11.09.05 12:01
