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09.09.05
Reisebericht von Anna Steinke
Rumänienzeltlager 2005
Ich denke, die meisten Leute die zum ersten mal mit nach Rumänien fahren, haben vielleicht noch gar keine richtige Vorstellung davon, was da eigentlich auf sie zukommt. Und bestimmt gibt es viele die erstmal ziemlich erstaunt gucken, wenn die ungarische Gruppe ankommt, und man feststellt, dass die Jugendlichen aus dem Kinderheim wirklich völlig anders sind als man selber, dass man vielleicht am Anfang auch gar nicht wirklich viel mit ihnen anfangen kann, weil man einfach mal nicht dieselbe Sprache spricht und es einen auch sonst erstmal ein bisschen umhaut, wenn sie in ihrer lauten, stürmischen und einfach un-deutschen art auf einen losstürmen und man vielleicht gar nicht so richtig weiß wie man reagieren soll.
Aber das hält zum Glück nicht lange an, denn dadurch dass man sich im Zeltlager auch sonst ganz schön umstellen muss, auf kalte (aber erfrischende) Bäder im Fluss, darauf dass man viele dinge selber bauen muss, auf lange Abende am Feuer und tagsüber manchmal wilde Schlammschlachten, vergisst man sein Herkunftsland nach einer Weile auch ein bisschen und die Tatsache dass man ja eigentlich ein gesitteter deutscher Bürger ist, und vor allem stellt man fest, dass die Kommunikation doch gar nicht so schwer ist, weil es erstens auch Übersetzer gibt, und man zweitens so viele Dinge zusammen macht und erlebt, dass man sich, auch ohne tiefgreifende Gespräche zu führen, irgendwann kennen lernt, und merkt dass es eigentlich herrlich ist, mal zwei Wochen lang mit so völlig anderen Leuten zusammen zu sein und ganz anders zu leben.
Auch wenn man früh vielleicht manchmal, nach einer verregneten Nacht, aus einem feuchten Zelt kriechen muss, zum hundertsten male Weißbrotscheiben mit dünnem Belag isst, und sich vielleicht heimlich manchmal gewaschene Klamotten und ein Glas Nutella ganz für sich alleine wünscht, ist die Stimmung trotzdem immer so wundervoll, dass man am liebsten noch viel viel länger bleiben würde! Auch wenn eine Campteilnehmerin am Ende des Lagers verkündete, dies sei ihr erstes und ihr letztes Camp gewesen, hat das bestimmt nur etwas damit zu tun, das besagte Teilnehmerin schon siebzig ist, und ich glaube es gibt keinen der sich ihr da angeschlossen hätte.
Weil es einfach herrlich ist, so viele neue Menschen kennen zu lernen, neue und interessante Erfahrungen zu machen… und auf der anderen Seite erfährt man natürlich auch nicht alle Tage so viel über das wirkliche Leben in Rumänien und besonders das Leben der Kinderheimjugendlichen, dass sich so grundlegend von unserem unterscheidet.
Ich denke, wer einmal mit in Rumänien war wird die Zeit auf jeden Fall niemals vergessen!
Veröffentlicht am 09.09.05 07:59
